FINANZIELLE FREIHEIT - Ein Buch von Gisela Enders

Im März 2017 kam (einige werden sich denken: schon wieder) ein Buch über finanzielle Freiheit auf den Markt. Autorin dieses Werkes ist dabei Gisela Enders, Jahrgang 1967 aus Berlin, die seit vielen Jahren schreibt und im Bereich Coaching ihre Berufung fand.

 

Und doch unterscheidet sich dieses Buch von allen anderen, die ich in den letzten Jahren in der Hand hatte.

 

Den Hauptteil des Buches nehmen Interviews zwischen Gisela und finanziell freien Menschen ein, die quasi in einer Rückblende ihren Weg beschreiben. Und das nicht in Superlativen, wie ich es sonst gewohnt war, sondern in bescheidener Manier und einer gewissen Dankbarkeit sich und den eigenen Umständen gegenüber. Weiterhin gibt Gisela im ersten Teil Tipps und Denkanstöße (bspw. die 752-Regel) und im dritten Teil kommen Leute zu Wort, die eine finanzielle Freiheit ebenfalls anstreben und auf gutem Wege dahin sind.

 

Wege zum Ziel führ(t)en dabei zum Teil über Aktien, zum Teil über Immobilien oder - sehr spannend - über die Verlagerung des Wohnsitzes.

 

Allen gemeinsam ist dabei, dass der Fokus nicht (nur) auf den Einnahmen lag, die in unserer Vorstellung immer höher werden MÜSSEN, sondern insbesondere die Ausgaben kalkuliert und reduziert werden konnten.

...

Wenn ich die Zeilen richtig interpretiere fährt auch niemand aus dem Buch einen Ferrari, noch sind die (passiven) Einnahmen fünfstellig im Monat.

 

Das Buch lockt also NICHT mit dem Weg zum Supersportwagen, den rauschenden Roof-Top-Parties in Monaco oder der Anerkennung anderer, dem Geld verpflichteter und nach Jet-Set suchender, Business-People.

 

Das Buch zeigt "nur" in einer angenehm unaufgeregten, leisen, Sprache, dass die finanzielle Freiheit gar nicht so schwer zu erreichen ist. Und damit wunderbar mit Verzicht auf selbst verdientes Geld einiges an Freizeit "erkauft" werden kann.

 

Ein weiterer interessanter Punkt ist der, dass viele den Zeitpunkt der finanziellen Freiheit schon einige Zeit überschritten hatten, ehe dieser wahrgenommen wurde. Auch ist es - so komisch sich das anhören mag - am Anfang oftmals gar nicht so einfach, sich mit dieser Freiheit zu arrangieren. Was mache ich mit der ganzen Freizeit, ohne dass Monotonie herrscht oder man gar in ein Loch fällt?

Hier vielleicht als Spoiler: die meisten haben trotzdem einige Unternehmungen, die sie gerne machen und die sie antreiben. Nur geschieht hier die "Arbeit" freiwillig, selbstbestimmt und ohne den Druck, Geld verdienen zu müssen.

 

Amüsant fand ich auch, dass es den Interviewpartnern meist schwer fällt, die bei uns gängige Frage nach dem Beruf zu beantworten.

 

Ich stand vor ein paar Tagen auch bei jemandem in der Wohnung, weil ich meiner Sammlerleidenschaft fröhnte und eine Uhr erwarb. Und natürlich kam die Frage: "Und, was machst Du so beruflich?". Was wäre die richtige Antwort gewesen ohne einen Monolog zu halten? "Nix", "Elternzeit", "Start-Up", "Immobilien" oder gar "Privatier"? Nach einer gefühlten Minute des Schweigens hörte ich mich nur sagen "Vermieter". Daraufhin sah mich der Mann nur mit großen Augen an, wusste erst auch nicht was er sagen sollte und irgendwann kam dann ein "echt???" mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf. Mehr war dann aus diesem Thema auch nicht mehr rauszuholen.

 

So sehr die finanzielle Freiheit bei vielen ein Ziel war oder ist, so machen sich die meisten wenige Gedanken darüber, wie diese am besten definiert gehört, noch wie man sie anderen erklären kann. Man wird sowieso nicht für normal gehalten, wenn man nicht bis über 60 arbeitet. Keiner in dem Buch hat oder hatte aber Interesse daran, in der Norm zu sein, noch zur Norm zu gehören. Normal zu sein ist nicht zwangsläufig schlecht, aber auch nicht immer gut oder beste Weg für einen selbst. Es geht auch nicht darum, krampfhaft nicht zur Normalität gehören zu wollen. Es geht darum, einen Weg zu finden, der für einen selbst der richtige ist. Wie dieser von außen wahrgenommen wird, ist zweitrangig. Wenn überhaupt. Who cares.

 

Da ich selbst, was das passive Einkommen angeht, sehr immobilienlastig bin, habe ich auch viel neues erfahren können und bin auch auf blogs gestoßen, die teilweise interantional äußerst berühmt sind, ich aber noch nie etwas davon gehört hatte. Ein Beispiel ist dabei www.mrmoneymustache.com, der wohl jedem anderen in dem Buch zuvor schon ein Begriff war.

 

Bestellt werden kann das Buch unter www.finanziell-freie-menschen.de

 

Vielleicht noch ein Gedanke zum Schluss:

Mir kam es so vor, als wären die vorgestellten Personen zufrieden, mit sich und den Umständen im großen und Ganzen im Reinen und vielleicht wurde auch deshalb ein so unaufgeregtes Buch daraus. Ohne größer, schneller, weiter, besser. Von daher und aus eigener Überzeugung kann ich sagen: finanzielle Freiheit ist toll und allemal erstrebenswert.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Gisela Enders (Dienstag, 21 März 2017 11:20)

    Lieber Christian,
    Was für eine schöne Buchbesprechung, vielen Dank! Es war mir wichtiger das Buch eher wenig sichtbare Menschen zu finden, die ihre finanzielle Freiheit einfach leben. So, wie es für sie passt und ohne andere unbedingt zu missionieren oder ihnen etwas Großes zu versprechen. Ich freu mich sehr, wenn das auch angekommen ist.
    Viele Grüße Gisela

  • #2

    Ralf (Sonntag, 02 April 2017 22:45)

    Bin das Buch gerade am lesen, sehr interessant :)
    Ich hoffe irgendwann auch so weit zu sein wie Christian.
    LG Ralf

  • #3

    Frau Heller (Sonntag, 02 Juli 2017 21:28)

    Hallo!
    Ich durfte das Buch schon vorab lesen und noch Kommentare hinzufügen. Ich kann es auch nur von Herzen weiter empfehlen. Es führt nicht nur ein Weg in die finanzielle Freiheit und ich fand toll, das so viele unterschiedliche Menschen interviewt wurden mit verschiedenen Hintergründen.

    Viele Grüße

    Frau Heller

  • #4

    Jonas (Mittwoch, 18 Oktober 2017 21:00)

    Hallo,

    das Buch klingt sehr interessant. Danke für die Buchvorstellung, ist direkt bestellt.

    Viele Grüße