Off topic: Vintage Uhren als Ergänzung zur Immobilie?

Ich möchte Euch heute in ein Investitionsfeld entführen, das doch erstaunlich wenige auf dem Schirm haben - und diesen Umstand mit diesem Beitrag vielleicht ändern :-)

 

Da das Feld der Uhren, insbesondere im Vintage-Bereich, also ca. 30 jahre oder älter, sehr weit gefasst ist, habe ich den folgenden Beitrag der Übersichtlichkeit wegen gegliedert und werde mich bei den Ausführungen größtenteils an der Marke Rolex orientieren.

 

Es handelt sich dabei vielleicht nicht um DIE beste, aber mit Sicherheit um eine der besten Uhrenmarken weltweit, und v.a. aber um die Uhrenmarke, die zum Einen jedem bekannt sein sollte und zum Anderen die höchste Wertstabilität aufweist.

 

 1) Wie kam es dazu?

 

Als wir vor einigen Jahren unsere erste Wohnung in München verkauften, sollte der Gewinn zumindest zum Teil reinvestiert werden und ich wollte seit langer Zeit schon eine hochwertige Uhr besitzen. Nach ein paar Wochen Internetrecherche und einer gewonnenen ebay-Auktion hielt ich schließlich meine erste Rolex zum Preis von 1.011 Euro in den Händen: eine vergoldete (auch das gab es kurz bei Rolex) Referenz 6694, Handaufzug, für Rolexverhältnisse nichts Besonderes, aber eine ganz annehmliche dress-watch (d.h. eher zum Anzug, wohingegen die Sportmodelle eher in der Freizeit gefragt sind - ist aber alles mehr graue Theorie).

 

Ich investierte fortan viel Zeit (wie seinerzeit bei den Immobilien ebenfalls) in Recherche und Wissengewinnung und auch Geld in Literatur (Anm.: gute Uhrenbücher sind oftmals nicht allzu günstig).

 

Durch die Käufe lernte ich interessante Menschen kennen, die mir viel Wissen und Erfahrung weitergaben und als ich eines Tages

eine Rolex 1675 mit Papieren zum Tausch anbot, lernte ich einen weltweit geschätzten und wohl bekanntesten Sammler von alten Heuer-Uhren kennen, der meine Leidenschaft auch für diese Markte entfachte und mir oftmals mit Rat und Tat und auch Kontakten zur Seite stand und steht, so dass ich innerhalb einer Recht kurzen Zeit viel lernen konnte. So entwickelte sich über die Jahre ein schönes Netzwerk insbesondere bei den Luxusmarken Rolex und Heuer und wenn ich auch nicht jede Uhr für mich bewerten kann, so kann es jemand aus meinem Netzwerk.

 

2) Welche Marken sind lohnenswert?

 

Hier sind sich die Experten einig, dass rein auf die Marke heruntergebrochen Rolex und Patek Philippe am wertstabilsten sind. Jedoch ist hier nicht jedes Modell gleich einzuschätzen und auch bei den einzelnen Referenzen gibt es Unterschiede. Ich persönlich würde auch noch einige Modelle von Heuer hinzuzählen, auch Vacheron Constantin kann hier durchaus genannt werden sowie etliche einzelne Modelle unterschiedlicher anderer hochwertiger Hersteller (bspw. Omega oder Jaeger).

 

Wie gesagt, gilt es neben der Marke v.a. einzelne Modelle gut zu kennen und im Auge zu behalten. Und eine Rolex Submariner ist vom wert her nicht gleich einer Rolex Submariner. Hört sich komisch an, ist aber so.

 

Hier verhält es sich wie mit einem Auto:

 

Gibt es beim 3er BMW bspw. die Modellreihen E30, E36, E46 etc. so gibt es bei der Submariner bspw. die Referenzen 5512, 5513, 1680 - und diese jeweils auch noch mit verschiedensten Merkmalen (Werk, Zifferblatt, Lünette, Gehäuse, Krone, Material etc.).

 

3) Warum vintage und nicht neu?

 

Hier kann eine schöne Parallele zu den Immobilien gezogen werden. So wie jeder Neubau ersteinmal an (Gebäude-)Wert verliert (deshalb auch die Abschreibung) und lediglich der vielleicht steigende Grundstückswert diesen Umstand etwas abfedern kann, so verlieren auch neue Uhren zunächst an Wert. Hier sind es einfach weiche Kosten wie Werbung, Vertrieb, Marge etc. die mit bezahlt werden müssen und selbst Rolex-Uhren kann man mit den richtigen Kontakten und je nach Modell neu ca. 15 % unter Listenpreis vom Händler erwerben. Bei der letzten Uhrenbörse in München wäre mir auch für ein spezielles Modell 30% eingeräumt worden. Selbstverständlich bekomme ich eine Rolex immer wieder verkauft, aber heute für 6.500 Euro beim Händler erwerben und morgen vielleicht nicht einmal mehr 5.000 Euro beim Verkauf zu erzielen ist nicht unbedingt mein Ziel. Natürlich gibt es wie bei Immobilien auch eine Talsohle, die nicht unterschritten wird und der Preis wird über Jahre auch über den Einstiegstwert wieder ansteigen. Ich persönlich muss aber nicht das neueste Modell tragen und kaufe von Grund auf lieber ein Vintage-Modell zu dem aktuellen Wert und freue mich dann auch relativ zeitnah über eine Wertsteigerung. Da insbesondere Rolex regelmäßig die Preise anhebt, ziehen auch die Vintage-Modelle hinterher. Abgesehen davon, dass Vintage-Modelle mit einer Geschichte dahinter einen eigenen Charme besitzen.

 

4) Gibt es verlässliche Daten zu Preissteigerungen?

 

Ja, die gibt es  - aber äußerst selten. Leider habe ich in der Vergangenheit keine Screenshots oder Scans von den gelesenen Statistiken gefertigt und das Netz gibt wenig her. Das liegt in meinen Augen daran, dass die allermeisten Luxusuhren-Besitzer Sammler sind. Und ohne dass es der Anspruch ist, nebenbei natürlich auch Investoren. Das dürfte daran liegen, dass man die finanzielle Situation in diesem Personenkreis als "geregelt" bezeichnen kann und die Suche nach dem Modell der Begierde meistens im Vordergrund steht und nicht eine Preisabwägung. Ich würde es bei mir im Zweifelsfall auch vorrangig als Hobby bezeichnen, ohne aber den Investorenaspekt aus den Augen zu verlieren. Ab und an gibt es aber natürlich eine Uhr, die ich unbedingt haben möchte und greife (im Rahmen des Möglichen) zu.

 

Die folgenden Grafiken zeigen neben einer generellen Tendenz der Rolex Submariner Date auch zwei besondere Modelle, die auch an der unstetigen Wertentwicklung zu erkennen sind:

Dabei handelt es sich um die sog. Rolex Dayton "Paul Newman" ganz links und auf der vierten Chart von links die Rolex Submariner "Milsub". Die Besonderheiten sind hier, dass die Daytona von Paul Newman getragen wurde und die Milsub als einige von wenigen Rolex-Modellen ans Militär ausgeliefert worden war und die Stückzahlen deshalb überschaubar sind. Solche Modelle, abseits vom "Standard" erfahren auf Auktionen regelmäßig Hypes, die aber in der Regel nicht vorhersehbar sind, nicht ansatzweise rational begründet werden können und auch zwischendurch durchaus wieder stark abflachen können. Von den Einstiegspreisen und dem Risiko von Fälschungen mal ganz abgesehen. Deshalb würde ich zum Kauf bspw. einer "Paul Newman" nur raten, wenn das (viele) Geld tatsächlich sehr locker sitzt, die Uhr 100%ig als Original verifiziert werden kann und auch ein (zwischenzeitlicher) Wertverfall nicht zu grauen Haaren führt.

 

Bei den Standardmodellen kann gemäß den Statistiken bei der Preisentwicklung von Neumodellen, sowie der Wertsteigerung von Vintage-Modellen eine fast schon lineare Steigerung angenommen werden (Anm: zwischen neu und vintage bzw. zumindest in den ca. ersten 10 Jahren liegt der Wertverfall). Je vollständiger das Set (also neben Uhr bspw. noch Box, Umkarton, booklets, Ersatzglieder, hang-tags, Rechnung, Revisionsbelege und v.a. das ursprgl. Zertifikat / Garantieschein), desto wertvoller. Vergleichbar mit einem Oldtimer und dem Vorliegen von Rechnungen und Service-Heft.

 

5) Vorteile eines Invests in Vintage-Uhren

 

+ Kauf zum Verkehrswert (oder auch darunter) möglich

 

+ keine Kaufnebenkosten (wie bspw. Agio oder Erwerbssteuer)

 

+ in den letzten Jahrzehnten fast lineare Wersteigerung

 

+ globale Absatzmöglichkeit und dadurch bislang relativ krisensicher

 

+ Wiederverkauf kurzfristig möglich ("Rolex gegen Flugticket nach Hause")

 

+ nach meinem Empfinden viele Sammler mit tollem Mindset

 

6) Was es unter allen Umständen zu beachten gilt

 

- Bei den vielen Fälschungen am Markt gilt insbesondere in höheren Preisklassen: "Don´t buy the watch, buy the seller". 

  Wenn mit dem Verkäufer etwas nicht stimmt, dann gilt das oftmals auch für die Uhr. Insbesondere wenn ein Kaufvertrag

  und das Vorzeigen eines Ausweises abgelehnt werden, sollte man stutzig werden. Wenn die Quelle passt, geht es 

  natürlich auch ohne Kaufvertrag.

 

- "Too good to be true" ist es oftmals auch. Ich hätte selbst fast einmal 7.000 Euro für eine Fälschung einer 10.000-

   Euro-Uhr hingelegt. Oder eben auch: "Gier frisst Hirn".

 

- Juweliere oder Uhrmacher sind meistens keine Experten für die Authentizität einer Uhr! So wie nicht jeder 

   Immobilienmakler auch Investor oder Experte ist.

 

- Anfangs auf ein oder zwei Modelle einer Marke konzentrieren. Hier ist es schon schwierig genug, aufgrund der 

  verschiedenen Referenzen den Überblick zu behalten. Es gibt KEINEN Rolex-Experten, der alle Modelle parat hat! Und 

  als Anfänger ist es noch weniger möglich.

 

- Eine Uhr braucht alle paar Jahre einen Service, i.d.R. weil die Öle erneuert werden müssen. Das beläuft sich meistens 

  auf wenige hundert Euro und kann einkalkuliert werden. Ist tatsächlich etwas kaputt, wird es teurer. Vielleicht kauft man 

  sich aber einfach gleich eine servicierte Uhr (hier wäre die Brücke zur renovierten ETW).

 

Das war´s erstmal zu meinem (zweit)liebsten Hobby. Danke für´s Lesen soweit :-)

 

Es handelt sich wirklich nur um einen groben Überblick und ich habe auch vor noch mindestens einen weiteren Beitrag dazu zu schreiben. Über einen Kommentar, in welche Richtung dieser gehen soll, würde ich mich riesig freuen. Bspw. Nähre Ausführungen zu einer bestimmten Marke, relevante Modelle, Marken mit günstigen Einstiegspreisen, Marktpreise, Sammeln nach bestimmten Kriterien (bspw. Uhrwerken), etc.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Markus Habermehl (Mittwoch, 24 August 2016 19:59)

    Danke für diesen tollen und informativen Artikel! Hat mich in meinem Tun nochmals bestärkt

  • #2

    Rüdiger Elzer (Freitag, 26 August 2016 22:04)

    Sehr interessant. Ich liebäugele schon lange mit einer IWC Fliegeruhr. Hab mich aber nie so getraut, da ich den Wertverlust scheute. Mal sehen, ob es ne Vintage wird.

  • #3

    Marc Rabl (Mittwoch, 12 April 2017 16:27)

    Super Beitrag!
    Würde mich über mehr Artikel in diese Richtung sehr freuen :)

  • #4

    Kilian Grubbert (Donnerstag, 24 August 2017 09:47)

    Sehr interessanter Artikel.

  • #5

    Ben (Donnerstag, 24 August 2017 19:05)

    Hi, wieder ein super Beitrag! Danke dafür - würde gerne wissen was günstige Einstiegsmodelle sind und wie man diese Recherchiert. Eventuell auch mit Buchempfehlungen, etc?